Chronik
Harprehtzrode - wie alles begann
Geschrieben von: Gerald Bamberger

Quelle: HHStAW / Abt.170 I Nr.96
Hartenrod wurde erstmals im Jahr 1311 als "Harprehtzrode" urkundlich erwähnt. In der folgenden Zeit wird der Ortsname in zwei verschiedenen Versionen genannt, bis sich die heutige verkürzte Form durchsetzte:
1352: "Harperte Rode".
1364: "Harterode".
1370: "Hartenrode."
1380: "Harprachterode" und "Hirprachterode".
1397: "Hartenrade".
1586: "Hartenrodt".
Der zweite Teil des Ortsnamens (-rod) bezieht sich auf das Roden (= urbar machen), der erste Teil benennt die Person, die dieses veranlasst hatte; also: Hirprachterode = die Rodung des Hirpracht.
Der Name eines Ortes gibt oft einen Hinweis auf sein tatsächliches Alter, denn die Besiedelung auch des Hinterlandes erfolgte in verschiedenen Perioden und jede Periode hatte ihre spezifischen Namen. So weist die Endung -rod auf eine Gründung in der Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert hin.
Unsere Gegend war lange Zeit zwischen verschiedenen Herren umkämpft. Die territoriale Zugehörigkeit klärte sich nach dem Ende der sogenannten "Dernbacher Fehde" 1333/36, nach der Hartenrod unter die Herrschaft der Landgrafen von Hessen kam und blieb.
Hartenrod im 16. Jahrhundert
Geschrieben von: Gerald Bamberger
1567 teilte sich die Landgrafschaft Hessen. Hartenrod gehörte nun zur Landgrafschaft Hessen-Marburg.
Der neue Landgraf Ludwig wollte alle Rechtsverhältnisse genau schriftlich festgehalten wissen und ließ sie in Bücher niederschreiben. Dazu zählt das "Dorfbuch" von 1586. Zu diesem Zweck bestellte man die Hartenröder Dorfältesten zum Amtssitz auf die Burg Blankenstein bei Gladenbach und befragte sie nach den Rechten des Landgrafen. Doch lesen wir selbst im originalen Wortlaut:
Der dreißigjährige Krieg 1618-1648
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Aus dem Dorfbuch von 1586 geht hervor, dass ungefähr die Hälfte der Hartenröder Besitzer von Pferden waren, ein Hinweis auf einen gewissen Wohlstand, der damals in unserem Dorf herrschte. Diesen vernichtete der 30-jährige Krieg (1618-1648) gründlich. Eine der schlimmsten Plünderungen fand 1640 durch kaiserliche Truppen statt. Darüber wurde ein detailliertes Verzeichnis angelegt.
1684 - Verleihung der Marktrechte
Geschrieben von: Hermann Bamberger
Hartenrod besitzt seit dem 1. September des Jahres 1684 das Markrecht. Auch wenn die Originalurkunde der Verleihung bisher nicht gefunden werden konnte, wurde dieses Datum mehrfach bezeugt und sollte daher als sicher gelten.
Die Marktrechte für drei Kram- und Viehmärkte pro Jahr wurden durch Elisabeth Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg, Landgräfin von Hessen-Darmstadt, verliehen. In der Kirchenchronik ist vermerkt, dass es sich um eine pergamentene Urkunde handelt, die sich bei der Gemeinde befinde.
Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Dorothea 1678 die Regentschaft über Hessen-Darmstadt für ihren minderjährigen eigenen Sohn Ernst Ludwig. Die politisch interessierte, weltkluge und tatkräftige Dorothea leitete die Ratssitzungen persönlich. Hessen-Darmstadt erlebte unter ihrer Regierung einen Aufschwung. Sie arbeitete hart daran, die ökonomische und industrielle Situation in der Grafschaft zu konsolidieren, auch durch die Verleihung von Marktrechten wie in Hartenrod. Außerdem war Dorothea eine große Förderin von Musik und Kultur, für ihre Zeit eine wirklich bemerkenswerte Frau.
Keine Gemeinde durfte oder darf ohne Genehmigung Märkte abhalten. Das Marktrecht ist ein ausdrückliches Privileg (=Vorrecht), das von höchster Stelle verliehen wird und urkundlich dokumentiert sein muss.Bestimmte Voraussetzungen sind erforderlich: Insbesondere muss die Marktgemeinde über eine besondere oder überragende Bedeutung gegenüber den umliegenden Gemeinden in kultureller, wirtschaftlicher oder historischer Hinsicht verfügen.
Wie kam nun gerade Hartenrod zu diesen Ehren?
Mühlen
Geschrieben von: Gerald Bamberger
1703 wurde erstmals die Gemarkungsgrenze von Hartenrod beschrieben und eine Karte dazu gezeichnet.
Auf der Karte sind auch die obere und untere Hahnkopfsmühlen eingezeichnet, die somit erst seit diesem Zeitpunkt sicher nachweisbar sind. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde als dritte Hartenröder Mühle die Schmittsmühle erbaut.
Die untere Hahnkopfsmühle stellte 1890, die obere 1910 und die Schmittsmühle 1960 ihren Betrieb ein.
Frankreich
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Seit Ende des 18. Jahrhunderts herrschte wieder Krieg und in Hartenrod quartierten sich lange Zeit fremde Truppen ein. Besonders ausgedehnt, über eineinhalb Jahre vom 29. April 1797 bis Weihnachten 1798, blieben die Franzosen. Sie schlugen ihr Lager unter dem Weltersberg auf und seitdem heißt diese Gegend im Volksmund "Frankreich".
Die evangelische Kirche
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Weitere Zeitungsausschnitte beleuchten schlaglichtartig Angelegenheiten der Gemeinde Hartenrod in der Mitte des 19. Jahrhunderts, darunter auch der Neubau der schönen Kirche in den Jahren 1856 bis 1858.
Das dörfliche Leben im 18. Jahrhundert
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Der 7-jährige Krieg (1756-1763) brachte erneut viel Leid nach Hartenrod, über das einiges geschrieben werden könnte. Betrachten wir lieber das dörfliche Leben der folgenden Jahre. Einen guten Einblick gewähren die Bußen, die das landgräfliche Gericht oder das Amt verhängte. Demnach waren kleinere Vergehen bei der Landwirtschaft an der Tagesordnung (dies war übrigens auch in allen anderen Orten im Hinterland so); sie wurden nicht besonders hoch bestraft und eigentlich wurde jeder einmal zum Sünder. Weitaus schwerwiegender ahndete die Obrigkeit sittliche Verfehlungen, besonders die üble Nachrede. Darunter litt besonders der Schultheiß, war er doch der Vetreter der Obrigkeit, der die Verstöße anzeigen musste; übrigens zusammen mit den Vorstehern, den Vertretern der Gemeinde.
Die Revolution 1848/1849
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Auch wenn die napoleonische Zeit nur Episode war, löste sie doch letztlich zahlreiche Umwälzungen aus. So wurde 1811 die Leibeigenschaft abgeschafft und später konnten die Frondienste, der Zehnte, die Grundzinsen abgelöst und die gepachteten Güter zu freiem Eigentum erworben werden. Freilich bekam man das nicht kostenlos und manche Familie wurde wirtschaftlich ruiniert.
Hierin lag ein Grund für die Auswanderungsbewegung nach Amerika, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte.
Über die politischen Verhältnisse herrschte ebenfalls Unzufriedenheit, Demokratie war noch weitgehend unbekannt. An der (gescheiterten) Revolution 1848/49 nahm gerade die Hartenröder Bevölkerung regen Anteil. Eine kurze Anzeige im Vorläufer des Hinterländer Anzeigers weist darauf hin:
Der Hartenröder Pfarrverweser Augst war ein besonders engagierter Anhänger der Freiheitsbewegung. Bald nach dieser Volksversammlung berief er eine weitere Versammlung in die Günteröder Kirche ein; "er sprach über das Thema: 'Die Grundrechte des deutschen Volkes'. Die Kirche war gefüllt. Es gab erbitterte Zwiegespräche, besonders zwischen Pfarrer und Lehrer. Der Lehrer wurde aus dem Kirchengebäude hinausgeworfen, das Volk jubelte, der Pfarrer aber verfiel in Wahnsinn und starb innerhalb weniger Tage."
Die Schule in Hartenrod
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Nachdem Hartenrod jahrhundertelang zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt bzw. seit 1806 zu dessen Nachfolgestaat, dem Großherzogtum Hessen, gehört hatte, änderte sich die staatliche Zugehörigkeit in 1866/67: nun wurde Hartenrod preußisch.
1878 wurde in Hartenrod ein überaus stattliches neues Schulhaus eingeweiht, das bis 1903 auch für Schlierbach diente.
1911/12, früher als in anderen Orten, kam der Strom in unser Dorf. Und 1912 leistete sich die Gemeinde wieder eine neue Schule. Dazu Pfarrer Walter: "Im Oktober (14.) wurde die neue Schule im Beisein des Herrn Landrat eingeweiht. Der Ortspfarrer nahm in kurzen Worten von der alten Schule Abschied, worauf ein stattlicher Zug sich durch das Dorf nach der neuen Schule bewegte. Die ...(?)ansprache hielt auch hier der Ortspfarrer, der auf den christlichen Charakter der Schule hinwies und betonte, dass in diesem Sinne die Schule geweiht werden solle. Es sprachen Kreisschulinspektor Premer, Kreisbaumeister Achenbach, der Bürgermeister. Der 1. Lehrer öffnete die Pforte der neuen Schule, worauf eine Besichtigung stattfand.
Gleichzeitig wurde der neue 3. Lehrer (Lösch) in sein Amt eingeführt. Dem Bürgermeister Seitz wurde das allg. Ehrenzeichen verliehen."
Die Aar-Salzböde-Bahn
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Die Aar-Salzböde-Bahn

Gedicht von Ferd. Nicodemus bereitgestellt von Gerald Plaum
Ein "Meilenstein" in der Entwicklung Hartenrods war der Bau der Aar-Salzböde-Bahn. Bereits 1894 wurde der erste Abschnitt von Niederwalgern nach Weidenhausen fertiggestellt. "Den Weiterbau der Strecke nach Herborn beschloß die preußische Regierung am 3. Juni 1896." Über die Bauarbeiten und die Begleiterscheinungen gibt es einen Bericht des damaligen Hartenröder Pfarrers Reusch, der das Ganze vorwiegend unter moralischen Aspekten sah:
Der Beginn des 20.Jahrhundert
Geschrieben von: Gerald Bamberger
1913 gründete die Firma Rinn & Cloos aus Heuchelheim bei Gießen auch in Hartenrod einen Zweigbetrieb, den sie 1924 in die von der Gemeinde gekaufte "alte Schule" verlegte. Die Tabaksfabrikation hatte freilich in Hartenrod schon eine längere Tradition; bereits 1830 gab es drei Fabriken, die aber nur kurze Zeit bestanden.
Auch die Gesellligkeit blühte in dieser Zeit. Aus dem Hinterländer Anzeiger des Jahres 1908 erfährt man von einer Burschenschaft, die eine Kirmes veranstaltete.
Und 1910 berichtete diese Zeitung unter anderem über einen fröhlichen Ausflug des Männergesangsvereins:
Nationalsozialismus und 2.Weltkrieg
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Über die Zeit des Nationalsozialismus ist bisher über Hartenrod wenig bekannt. Sie endete schließlich im zweiten Weltkrieg, in dem 83 Hartenröder fielen und 45 vermisst blieben. Über das Kriegsende in Hartenrod wurde notiert:
"Tieffliegerangriff über Hartenrod auf einen Zug auf der Brücke.
25. März 1945: zwei Häuser durch Tiefflieger in Brand gesetzt.
28. März 1945: Abzug der letzten deutschen Truppen und Besetzung durch amerikanische Panzerschützen. Danach mehrmals Besatzung in Hartenrod und Wommelshausen."
Nachkriegszeit und Gebietsreform
Geschrieben von: Gerald Bamberger
Durch Evakuierte, Flüchtlinge und Heimatvertriebene stieg die Einwohnerzahl stark an. Deren Not nahm sich unter anderem Pfarrer Adam besonders an und ließ z.B. ein (freilich nicht verwirklichtes) "Einfamilien-Reihenhaus" für nur 17.250 DM entwerfen.
Auf die Folgen des Krieges verwies auch ein nachdenklicher Artikel im Hinterländer Anzeiger vom 8. Februar 1951:
"Die andere Seite ...
Fastnachtsmarkt in Hartenrod.
Fastnachtsmarkt, ein bißchen Sonne über den regennassen Dächern, das bringt Leben in die sonst ruhige Hauptstraße. Mehrere hundert Menschen aus Schlierbach und Endbach schieben sich bis zum plötzlichen Ende der Standreihen, machen wieder kehrt, bleiben tropfenweise stehen. Es wird alles verkauft, alles gekauft: Schnürsenkel, Aschenbecher, leckere Mohrenköpfe, Schweine. Die Anbieter unterbieten sich gegenseitig: Manche Stimme überschlägt sich vor Eifer. 'Einen für die Emma, einen für die Frieda, noch einen für ...', der Ausrufer verkauft Kämme. Mit großzügigen Gesten und sprühenden Farben. Ein anderer verkauft Rasierklingen, verschenkt dazu kostbare Drehbleistifte: 'Was woanders drei DM kostet - hier bekommen sie es für nur eine Mark!'
Und vorne, bevor die Stände beginnen, stehen zwei Kriegsversehrte. Sie haben sich bescheiden in die Ecke gedrückt und machen Musik. Sie sagen nichts. Sie stehen bloß da und sehen verloren auf die Menschen, die an ihnen vorübereilen. Den Schnürsenkeln, den Kämmen und den Drehbleistiften entgegen. Fastnachtsmarkt in Hartenrod ...
In der Ortsmitte hängt eine große Tafel. Sie ersetzt die Dorfzeitung und wird von jedermann mit Hinweisen beklebt. Viele bleiben davor stehen. Sie orientieren sich. Ein fein säuberlich handgemaltes Plakat fällt in diesen Tagen besonders auf. Es steht drauf: Prinz Karneval regiert! Dann folgt das Programm für all die Lebenslustigen, die in den vergangenen Tagen närrisch waren. Hier ebenso wie in Weidenhausen oder Gladenbach. Weshalb nicht? Aber darunter hängen Zeitungsausschnitte, bebilderte. Rote Stempel sitzen auf den weißen Papierrändern mit der Aufschrift: Der evangelischen Kirchenvorstand Hartenrod. Die Zeitungsartikel schildern das elende Dasein von Heimatvertriebenen. Familien hausen in Kasernen, die Männer haben keine Arbeit. Ihre Kinder laufen barfüßig durch den kalten Winter, es fehlt alles, weil das Geld fehlt. Und oberhalb dieser bedrückenden Schilderungen steht: 'Karneval - bei uns ist Flüchtlingselend.' Die Buchstaben sind mit rotem Bleistift dazugesetzt."
Freilich nahm Hartenrod in den nächsten Jahrzehnten einen großen Aufschwung. Sichtbaren Ausdruck fand dies in zahlreichen Baumaßnahmen: unter anderem von Sportstätten, dem Dorfgemeinschaftshaus, dem Ski-Lift, der Mittelpunktschule. Wie sehr sich dabei das Ortsbild veränderte zeigt ein Blick auf einige heute noch bestehende Geschäfte.
1974 verlor Hartenrod seine Selbständigkeit und wurde Ortsteil der neugeschaffenen Großgemeinde Bad Endbach.
Eine wichtige Aufgabe der Zukunft wird sein, dass der alte Ortskern sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht durch die Erhaltung der Geschäfte als auch in baulicher Hinsicht durch den Ausbau der Ortsdurchfahrt und die Renovierung der wenigen noch verbliebenen historischen Gebäude lebensfähig und lebenswürdig bleibt.
Termine
| Fre Sep 17 @20:00 - Vorstandsitzung FA |
| Mon Sep 20 @19:30 - Sitzung der AG Werbung |
| Mon Sep 27 @20:00 - Sitzung der AG Grenzgang |
| Die Okt 05 @20:00 - Sitzung der AG Heimatabend |
| Fre Okt 08 @20:00 - Festausschusssitzung |
| Mitt Okt 20 @20:00 - FA-Sitzung Großgemeinde |
| Sam Okt 23 Sternwanderung |
| Mon Okt 25 @20:00 - Sitzung der AG Grenzgang |
| Fre Okt 29 @20:00 - Vorstandssitzung Festausschuss |
| Mon Nov 01 @19:30 - Sitzung der AG Werbung |
Neueste Fotoalben
- Kategorie: der Festzug Wilfried Pfeifer
- Kategorie: der Festzug C.Trapp-Rink
Besucher
![]() | Heute | 12 |
![]() | Gestern | 22 |
![]() | Gesamt | 7251 |



